Frankreich
Das Land gehörte, solange wir noch im Schwobaländle lebten, zu unseren Lieblingszielen. Mein Mann ist, zumindest sprachlich, „ein halber Franzose“ und war schon mit seiner ersten Familie sehr oft im Nachbarland. So kam ich dazu, endlich das Land meiner Vorväter mütterlicherseits kennenzulernen. Der Stammvater der deutschen Linie der „Damoisy“ kam 1691 aus der Gegend um Maubeuge (heute an der belgischen Grenze) über Veyvey am Genfer See nach Deutschland. Als Hugenotte gehörte er zu den vielen Glaubensflüchtlingen, die von Kurfürst Friedrich Wilhelm mit seinem Edikt von 1685 nach Deutschland geholt wurden. So erklärt sich mein besonderes Interesse an diesem Land. Leider ist die Familiengeschichte nicht ausreichend dokumentiert, so dass ich bei meinen Nachforschungen mehr oder weniger auf Zufälle angewiesen bin. Zum Glück hat unsere Mutter schon vor Jahren den Stammbaum recherchiert, was eine ziemliche Anstrengung war. Aber außer mir interessiert sich leider niemand dafür.
Unsere erste gemeinsame Reise führte uns über ein Wochenende nach Paris. Die Stadt der Liebe … Hier verbrachte mein Mann einen kleinen Teil seiner jungen Jahre. Für mich ging ein Wunsch in Erfüllung, was ich auch gehörig genoss. Paris war beim 1. Mal ein Erlebnis und beim 2. Mal eine Offenbarung. Es gibt nur wenige Großstädte im von mir bereisten Teil Europas, die eine derartige Anziehungskraft ausstrahlen.
Wir waren oft im Elsass, was kein Wunder war. Direkt hinter Stuttgart kommt der Schwarzwald, dann der Rhein und dann sind wir auch schon in Fronkreisch. Für die Provence haben wir uns ganze 3 Wochen Zeit gelassen. Wir waren in der Bretagne, in der Normandie, im Burgund und in einigen anderen Départements unterwegs und ich habe festgestellt, dass man überall herzlich aufgenommen wird, wenn man versucht, wenigstens ein paar Brocken der Landessprache anzubringen. Meine Französchkenntnisse sind derart rudimentär, dass ich sie gar nicht erst weiter erwähnen möchte. Aber ein freundliches „Bonjour“, „comment ça va“, Bon Noir“, „Merci“, „bon appétit“ oder „au revoir“ sind immer willkommen und können Türen zu den Herzen der Franzosen öffnen. Das habe ich tatsächlich ganz besonders in der Provence erlebt. Ich werde nie vergessen, wie viel Mühe sich die Madame gab, bei der wir unser Zimmer gebucht hatten. Sie versuchte sogar, mir einiges in der Küche am Herd beizubringen. Es war wundervoll, wie wir beide uns mit Händen und Füßen verständigten. Natürlich half mein Mann mit seinen Sprachkenntnissen aus.
Übrigens, wir sind große Anhänger von privaten Unterkünften und verbringen unsere Urlaube nur so. Land und Leute lassen sich nicht besser kennenlernen, als im persönlichen Kontakt. Und ich wundere mich immer wieder, warum man als Deutsche/r im eigenen Land so eine Art von Urlaub mehr oder weniger ablehnt.
Aber zurück nach Frankreich: zwischenzeitlich koche und backe ich sehr gerne nach den landestyischen Rezepten. Vor allem backe ich des Öfteren leckere Baguettes oder auch mal ein französisches Landbrot. An Croissants wage ich mich noch immer nicht heran, nachdem der erste Versuch sowas von schief ging. Obwohl ich diese Gebäckteilchen schon sehr vermisse … Überhaupt finde ich, dass die Franzosen sehr viel besser wissen, als wir hierzulande, was gut schmeckt und zum Genießen ist auch immer genügend Zeit.
Ich erinnere mich lebhaft an einen Urlaub in einer alten Mühle in der Bourgogne (leider will mein Gedächtnis den Ort nicht mehr ausspucken). Alle Anwesenden saßen zu den Mahlzeiten um einen riesigen Tisch herum und aßen das, was die Hausfrau servierte. So lernte ich „Coq au vin“ kennen. Ich hatte keine Chance dem auszuweichen (dazu muss man wissen, dass ich kein Hühnerfleisch esse), also musste ich zumindest probieren. Es schmeckte gar nicht mal so schlecht.
Während eines Wochenendurlaubs in Ferrette, ganz im Süden des Elsass (Haut Rhin) waren wir bei einer Familie untergebracht, die ein sehr hübsches kleines Haus in der Altstadt, unterhalb der Burg, hat. Das überaus opulente Frühstück wurde uns vom Hausherrn serviert und wir haben uns sehr wohl gefühlt.
Übrigens bin ich eine leidenschaftliche Anhängerin historischer Romane. Angefangen hat diese Leidenschaft mit „Angelique“ von Anne Golon. Wer kennt diesen opulenten Fortsetzungsroman um die schillernde Figuren Angelique und ihren Mann, die zu Zeiten des Sonnenkönigs einige sehr ungewöhnliche und gefährliche Abenteuer zu bestehen hatten? Ich war als junge Frau davon hingerissen. Auch mit dem Leben von Jean d’Arc konnte man mich fesseln. So mancher Ausflug ins Nachbarland brachte uns an die Schauplätze.
Ich bin immer wieder begeistert davon, wie die Franzosen mit ihrer in großen Teilen uralten Bausubstanz umgehen. Abreißen ist nicht, es wird genutzt was da ist und wenn es noch so sehr angepasst werden muss. Nicht wie hier, wo Altes entweder so original wie nur möglich erhalten werden muss, oder kurzerhand abgerissen wird. Und ich liebe es, in diesen alten Mauern zu übernachten. Wie bspw. in der Gegend um Avallon und Vézelay, wo wir in einem mittelalterlichen Domizil mit dicken Mauern in einem Zimmer mit einem wahrhaft königlichen Bett, über dem ein riesiger roter Baldachin schwebte, übernachtet haben. Wir haben dann herausgefunden, dass die dicken Steinwände lediglich mit Stoff bespannt waren. Sowas wäre hierzulande unmöglich. Überhaupt ist das Übernachten in wirklich alten Mauern hierzulande, wenn überhaupt möglich, zum größten Teil immens teuer. In Frankreich kann man sich sowas schon mal leisten. In England, Schottland, Belgien übrigens auch.
In Ermangelung realer Ausflüge schaue ich mich heutzutage im Internet um. Das kann auch ganz spannend sein. Positiv aufgefallen sind mir diese Blogs:
Mein Frankreich: https://meinfrankreich.com
Französisch kochen: https://www.franzoesischkochen.de







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Ulrike
Ehefrau, Gastgeberin, Gärtnerin, Köchin, Leseratte, Patchworkerin, Bloggerin, Schottlandverliebt, Frankreichfan mit Hugenottenblut. Mit einer unheilbar positiven Lebenseinstellung.
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