Geduldsspiel
Zur Zeit könnte ich beinahe täglich die Wände hochgehen. Es dauert und dauert, und dauert, und dauert. Seit ich die Bronchoskopie hinter mir habe, warte ich wieder.
Der Reihe nach – ich soll eine kombinierte Strahlen-/Chemotherapie bekommen, die simultan verabreicht werden soll. So weit, so gut. Aber …. es gibt keine zeitnahen Termine. Nicht für die Strahlentherapie, nicht für die Anlage eines Ports – ohne den die Chemo gar nicht erst starten kann. Der Port wird nun am 9.4. gelegt, die Erstbesprechnung für die Strahlentherapie ist nächste Woche, ebenso der notwendige Hörtest (während einer Chemotherapie kann sich das Hörvermögen ändern). Am 23. ist die Nachbesprechung der Bronchoskopie. Ich weiß zumindest schon mal, dass auch dieser Tumor operabel ist. Das kam bei einem Arzt-Arzt Gepräch heraus, bei dem ich anwesend war. Das ist ein Lichtblick, aber die Zeit rennt und ich befürchte, dass sich da auch noch etwas ändern wird. So ein Tumor wächst ja. Aber ich weigere mich, darüber nachzudenken, was mir natürlich nicht wirklich gelingt. Meine Onkologin meint, dass sich das Lungenkarzinom wärend der Chemo, die ich nun erhalten soll, ebenfalls verändern wird. Ich traue dem Frieden nicht wirklich.
Sowohl für die Strahlen-, als auch für die Chemotherapie sollte man das Gewicht halten. Also weder zu-, noch abnehmen, denn die Therapien werden genauestens auf die/den Patientin/Patienten berechnet. Mal sehen, ob mir das problemlos gelingt. Obwohl, ich esse nur noch ein Bruchteil dessen, was ich vor der Diagnose gegessen habe. Seit der MandelOP hat sich auch mein Geschmackssinn verändert. Manche Speisen kann ich gar nicht mehr erschmecken. Ich hoffe, dass sich das wieder einrenkt. Aber während der Therapie kann das auch eine der Nebenwirkungen sein. Von denen gibt es jede Menge und ich bin sehr gespannt, welche davon mich plagen werden. Inkl. Haarausfall (aber die wachsen zum Glück wieder nach).
Ich habe mich beim PsychoOnkologen angemeldet. Dieses Gespräch findet ebenfalls nächste Woche statt. Ich brauche dringend Unterstützung. Leider ist die nächste Selbsthilfegruppe mindestens 1 Std. Fahrzeit entfernt. Da ich während der Chemo nicht Auto fahren darf, kommt das für mich erst einmal nicht in Frage. Obwohl es dringend notwendig wäre, mich mit anderen Betroffenen austauschen zu können. Ich kann das alles nicht wirklich richtig einschätzen, habe Angst, bin euphorisch, traurig, zornig im Wechsel und kann auch das nicht wirklich kontrollieren.
Letztens hat mir jemand gesagt, dass ich erst mal mein eigenes Tempo finden muss. Aber wie soll das gehen, wenn selbst im familiären Umfeld alles auf mich einprasselt? Ich will meine Ruhe, um mit dieser Veränderung fertig zu werden. Und ich brauche einen sicheren Hafen, wo ich genau das sein kann, was mich gerade in diesem Moment ausmacht.
Zwischenzeitlich weiß ich, dass ich einen Antrag auf Schwerbehinderung stellen, eine Kur beanspruchen kann und mir Rehasport zusteht. Aber das alles hat Zeit bis der Lungentumor ausgemerzt ist. Also irgendwann im Spätsommer/Herbst dann mal.
Es stürzt so viel auf mich ein, mein Leben ist auf den Kopf gestellt und zusätzlich noch auf Links gedreht. Ich möchte, dass das wieder in Ordnung kommt. Aber dazu brauche ich wohl noch jede Menge Geduld mit mir selber.
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Ulrike
Ehefrau, Gastgeberin, Gärtnerin, Köchin, Leseratte, Patchworkerin, Bloggerin, Schottlandverliebt, Frankreichfan mit Hugenottenblut. Mit einer unheilbar positiven Lebenseinstellung.
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