Geduld ist eine Eigenschaft …
… für die man dankbar sein sollte.
Nun weiß ich seit Anfang Oktober, dass sich da was in meinem Körper eingenistet hat, was kein Mensch braucht und wovor wir alle mindestens einen gehörigen Respekt haben. Die Meisten von uns haben aber eher Angst vor der Diagnose, die sich Krebs nennt.
Ich habe Glück gehabt. Zwar habe ich 2 Herde und eine Metastase, aber der Typ Krebs (Plattenepithel Karzinom) ist nicht aggressiv, wächst also nicht so schnell und bildet auch nicht so schnell Metastasen. Trotzdem ist es alles andere als angenehm, so ein Biest im Körper zu haben. Und wer weiß schon, ob und wann sich der Status nicht doch ändern wird.
Ich habe schlimme Wochen mit vielen Tränen, Angst und Hoffnungslosigkeit hinter mir. Die Zeit über Weihnachten und Neujahr war die schlimmste, die ich je erlebt habe. Ich wusste nicht, wann und wie es weiter geht. Vorher habe ich alle möglichen Voruntersuchungen vom CT bis hin zu Fachärzten und sogar einem PET-CT hinter mich gebracht, bis die Herde lokalisiert waren. Gerade die Metastase am Hals gab den Ärzten eine Zeitlang Rätsel auf. Woher kommt sie, vom Herd in der Lunge ist sie viel zu weit weg. Da muss doch noch irgendwo etwas anderes sein. Wo, das hat man dann durch das PET-CT rausgefunden. Das Biest sitzt auch noch auf der rechten Tonsille (Mandeln). Ich sollte schnellstmöglich eine Biopsie bekommen. Aber dann kam eben Weihnachten und an einen schnellen Termin war nicht zu denken.
Am 2. Januar fuhren mein Mann und ich dann nach Hannover ins Nordstadt Krankenhaus zur Notfallsprechstunde. Dort befindet sich die HNO Abteilung und das Kopf-Hals Tumor Zentrum. Ich bekam nach stundenlangen Warten eine ausführliche Untersuchung/Aufklärung und einen OP-Termin in der darauf folgenden Woche. Beim Vorbereitungstermin wurde dann aber anhand der Aufnahmen festgelegt, dass man erst einmal eine Keilbiopsie des Bereichs um die rechte Tonsille machen möchte um sicherzugehen, dass es sich tatsächlich um Krebs handelt. Die zwischenzeitlich Hühnerei große Metastase am Hals gab noch immer ein paar Rätsel auf. Also erst mal Biopsie, die verlief dann auch komplikationslos. Allerdings hatte ich anschließend etwa 10 Tage lang erhebliche Schluckbeschwerden und musste Schmerztabletten nehmen. Für mich eigentlich ein absolutes no go, aber was sein muss, muss sein.
Dann kam der Tag der Besprechung zum weiteren Vorgehen. Zwischenzeitlich wurde mein „Fall“ in der Tumorkonferenz besprochen. Die Biopsie ergab dann tatsächlich, dass es Krebs ist und der sollte nun so schnell wie möglich raus. Ich bekam einen neuen Termin für den inzwischen vergangenen Mittwoch zur Vorbereiting und OP am Freitag. Zwischenzeitlich rollte die Erkältungswelle auch einmal quer durch die OP Säle. Die OP musste verschoben werden, weil quasi ein gesamtes Team flach lag.
Und wieder fiel ich ins Loch. Es ist unglaublich, wie dünnhäutig ich in der Zwischenzeit geworden bin. Jede Verzögerung, jedes neue Ergebnis lässt mich erst einmal fallen. Es dauert dann, bis ich mich wieder gefangen habe. Aber auch das gehört eben dazu. Ich kann froh sein, eine positive Lebenseinstellung zu haben, das verhindert vermutlich, dass ich nicht gänzlich depressiv werde.
Das unangenehme (Neben) Ergebnis hieß, dass ich das HPV Virus in mir habe und das hat vermutlich zumindest für den Krebs auf der Tonsille gesorgt. Allerdings ist auch das Rauchen einer der Auslöser. Das Biest sitzt ja auch noch auf dem rechten Lungenflügel, aber ob das eine unmittelbar mit dem anderen zu tun hat, kann mir niemand mit Gewissheit sagen. Na schön, es ist auch nicht wirklich wichtig. Wirklich wichtig ist, dass beide Biester inkl. Metastase schnellstmöglich rausoperiert werden. Ob es dann auch noch Bestrahlungen braucht, oder sogar noch eine vorbeugende Chemo, ist noch unbekannt. Man weiß es tatsächlich erst nach der OP, wenn klar ist, ob das kranke Gewebe tatsächlich komplett entfernt werden konnte. Das gilt für beide OPs.
Am Mittwoch ist es endlich soweit (wenn es nicht eine weitere Influenza-Welle gibt), dass die erste OP durchgeführt wird. Für die OP an der Lunge habe ich auch schon einen Termin in der ersten Märzwoche im Siloah in Hannover. Diesen Termin habe ich der Initiative des Stationsarztes im Nordstadt zu verdanken, der mit mir darüber gesprochen hat. Am 20. ist die Voruntersuchung, vermutlich bin ich da gerade mal einen Tag aus dem Nordstadt Krankenhaus entlassen. Aber egal. ich will, dass es nun endlich schnell geht. Auch wenn ich dafür eine längere Erholungsphase in Kauf nehmen muss.
Wenn ich diesen ganzen Alptraum hinter mir habe, mache ich viele Kreuze. Es ist nicht schön auf Kohlen zu sitzen. Das macht etwas mit mir, was mir ganz und gar nicht gefällt.
Was mir wirklich wichtig ist, es explizit zu erwähnen: Rauchen kann Lungenkrebs auslösen. Ich habe es längst (vor gut 12 Jahren) aufgegeben, trotzdem hat es mich erwischt. Das HP Virus (Humane Papillona Virus) kann nachgewiesener Weise Gebährmutterhalskrebs und andere Krebsarten auslösen. Für Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren gibt es eine Impfung dagegen. Erkundigt euch bei eurem Arzt, der euch aufklären wird. Das ist nicht meine Aufgabe.
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Ulrike
Ehefrau, Gastgeberin, Gärtnerin, Köchin, Leseratte, Patchworkerin, Bloggerin, Schottlandverliebt, Frankreichfan mit Hugenottenblut. Mit einer unheilbar positiven Lebenseinstellung.
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